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Die Geschichte unserer Allgaier Porsche-Diesel Traktoren vom Bodensee

Die Wiege der Porsche -Traktoren liegt in Wiener Neustadt bei Austro-Daimler. Dort arbeiteten Ferdinand Porsche und Karl Rabe 1917 an einem zweirädrigen Vorspannschlepper für die Landwirtschaft. 1938, nun in Stuttgart, wurde das Porsche-Konstruktionsbüro mit der Entwicklung eines Volksschleppers beauftragt. Jährlich sollten 200.000 und mehr Schlepper in einem riesigen Werk, ähnlich dem Volkswagenwerk, in der Nähe von Köln, gefertigt werden. Infolge des Krieges wurde die geplante Produktionsstätte nicht mehr gebaut. Nach dem Krieg wagte der schwäbische Traktoren-Produzent Allgaier die Lizenzfertigung dieser Volksschlepper. Sofort, als im Juli 1950 der erste System Porsche AP 17 (A für Allgaier, P für Porsche, 17 für ca. PS) präsentiert wurde, faszinierte er die ganze Landwirtschaft. Die enorme Nachfrage stellte alle Prognosen in den Schatten. Durch viele technische Besonderheiten, wie Luftkühlung, Leichtbauweise, ölhydraulische Strömungskupplung waren die Auftragsbücher schnell gefüllt. Die erste Produktionsstätte war die unzerstört gebliebene Dornier-Kantine in Friedrichshafen-Manzell, denn ansonsten war das ehemalige Dornier-Werksgelände von Bombentrichtern übersät. Für die Menschen in der Region um Friedrichshafen brachte der System Porsche AP 17 Arbeit und Hoffnung auf bessere Zeiten.

Nach dem erfolgreichen Start entwickelte Ferry Porsche zusammen mit Karl Rabe den System Porsche Traktor AP17 zum Typ A111, A122, A133 und A144 mit luftgekühlten Ein- bis Vierzylinder- Dieselmotoren weiter, die ebenfalls erfolgreich waren. Bis 1955 verkaufte Allgaier circa 40 000 „System Porsche”-Traktoren. Nachdem Allgaier beschlossen hatte, sich auf den Werkzeugbau in Uhingen zu konzentrieren, wurde 1956 die Allgaier Maschinenbau GmbH an den Mannesmann Konzern verkauft und in Porsche-Diesel Motorenbau GmbH umgewandelt. Ziel von Porsche-Diesel war es, am Bodensee Traktoren in Großserie zu fertigen, und so entstand auf dem Werksgelände ein Traktorenwerk nach den neuesten Erkenntnissen der Produktionstechnik. Die Porsche KG entwickelte die System Porsche Traktoren und Motoren für Porsche-Diesel weiter. Das Programm der roten Traktoren bestand nun aus den Typen „Junior”, „Standard”, „Super” und „Master”. Bald darauf im Mai 1958 entschloss sich Porsche Diesel für eine freundschaftlich-industrielle Zusammenarbeit mit Klöckner-Humbold-Deutz AG (KHD) in Köln. Ziel war die Entwicklung und Herstellung von Traktorgetrieben, sowie die gemeinsame Fertigung von Traktoren die sich nur noch in Äußerlichkeiten unterscheiden. Im selben Jahr im Oktober beauftragten Porsche und Rabe den jungen Diplom-Ingenieur Paul Hensler mit den Entwicklungsarbeiten neuer Motoren. Diese Traktoren und Motoren sollten ab 1961 in einer Arbeitsgemeinschaft Ackerschlepper (AGA) mit KHD in Friedrichshafen gebaut werden. Doch 1960 brach der Absatz ein, bedingt durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft und die Hinwendung zu immer größeren Maschinen. Porsche-Diesel warf für den Mannesmann-Konzern keinen Gewinn mehr ab, und so kam, 13 Jahre nach dem „Stapellauf” des ersten System Porsche AP 17, nach 120 000 gebauten Porsche-Traktoren, das Aus. Die Fertigungshallen wurde geschlossen, und bereits existierenden Pläne für neue Traktorentypen verschwanden in den Schubladen; und auch die gebauten Prototyp-Motoren sollten nicht mehr zum Einsatz kommen.

Aber damit ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende. Schon bald pflegten viele Liebhaber die roten Traktoren vom Bodensee - aus verbrauchten Traktoren wurden Schmuckstücke. Vielfach wurden diese Porsche Traktoren Liebhaber als Spinner abgetan. Aber Mitte der 90er, nachdem Wendelin Wiedeking, der Porsche Vorstandsvorsitzende, mit einem Porsche Traktor seine Kartoffel ackerte, wurden die roten Porsche-Diesel in erlauchten Porsche Kreisen Kult. Darauf stellten sich viele Porsche Fahrer neben dem Elfer auch noch einen roten Porsche Traktor in die Garage. Erzählte man damals bei einer Party vom 911, war das Interesse verhalten. Aber wenn man sich als Porsche Traktor Besitzer zu erkennen gab, dann wurden die Zuhörer plötzlich hellhörig. Es war unglaublich, wie schnell in der Porsche Szene die roten Traktoren im Mittelpunkt standen. Und dann im Jahr 2002, beim 1. Internationalen Allgaier Porsche Traktoren Treffen auf dem ehemaligen Werksgelände in Friedrichshafen direkt am Bodensee, versammelten sich neben den Mitgliedern unserer ein Jahr zuvor gegründeten „Allgaier Porsche Freunde Interessengemeinschaft Bodensee“ zahlreiche Porsche Liebhaber aus aller Herren Länder mit ihren Traktoren. Auch viele ehemalige Porsche Mitarbeiter sind gekommen - sie hatten sich jahrelang nicht gesehen. Den kenn' ich doch… und bei der Produktion dieses Traktors war ich selber dabei!? Verborgenes kam zu Tage. Die Freude war grenzenlos. Ein unglaubliches Wiedersehen und mitten drin unsere restaurierten Porsche Traktoren. Alle wissen in diesem Moment, die Geschichte der Porsche-Traktoren ist nicht - wie von vielen schon lange geglaubt - zu Ende. Sondern sie wissen jetzt ganz genau: Die Legenden vom Bodensee leben und wachsen.

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faq/startseite.txt · Zuletzt geändert: 2020/09/25 12:25 von mkraemer